Kindersitz Vergleich & Ratgeber 2020

Der Autokindersitz ist nicht nur ein praktischer Alltagshelfer, sondern im Notfall auch Lebensretter – seit 1993 ist die Benutzung eines Kindersitzes deshalb auch gesetzlich vorgeschrieben.

 

Doch die Wahl zwischen den unzähligen verschiedenen Modellen fällt nicht immer leicht: Mithilfe dieser Übersicht kannst du dich orientieren und deine Fragen zum Kauf werden beantwortet. 

Kiddy Phoenixfix 3

Pro
  • sehr stabil und sicher
  • sehr einfacher Einbau 
  • guter Gurtverlauf
  • gutes Platzangebot für das Kind trotz geringem Platzbedarf im Auto
  • Sitzbezug kann entfernt und in der Waschmaschine gewaschen werden

Cybex Pallas M-Fix SL

Pro
  • Isofix Verankerung
  • lange Verwendungszeit
  • Sitzeinbau ist einfach und schnell
  • Top Qualität und leicht 
Contra
  • lt. Stiftung Warentest mittleres Risiko bei Front-Crash
  • Bezug nur mit Aufwand zu entfernen

Kaufberatung Kindersitz

Im Vergleich hat sich gezeigt: Alle 4 Produkte haben ihre Vor- und Nachteile. Welches Modell das richtige ist, kommt letztlich auf die eigenen, ganz persönlichen Anforderungen an: Sollte der Kindersitz schlicht und einfach zu handhaben sein oder lieber ein paar Extrakniffe mehr aufweisen, wofür man auch ein größeres Gewicht oder einen höheren Preis in Anspruch nimmt? Um diese Wahl zu treffen, sollte man sich darüber im Klaren sein, was so ein Autokindersitz überhaupt leisten muss. Die wichtigsten Fragen werden hier deshalb nochmal auf einen Blick beantwortet:

Sicherheitsstandards?

Der Kindersitz sollte der gängigen EU-Norm ECE R44/04, und, sofern vom Hersteller angegeben, auch der neuesten Prüfnorm R129 entsprechen. Die hier vorgestellten Produkte hielten außerdem alle den Anforderungen diverser Crashtests von ADAC oder Stiftung Warentest stand.

Die Kindersitz-Gruppen

Für die Größe des Kindersitzes, die sich natürlich an der des Kindes orientiert, geben die Kindersitz-Gruppen Auskunft:

 

Gruppe 0/0+: Für Babys zwischen 0 und 18 Monaten und bis 10kg. Zu dieser Gruppe gehören Babyschalen, die unbedingt entgegen der Fahrtrichtung eingebaut werden müssen und deshalb Reboarder genannt werden: So wird bei einem Frontalzusammenstoß der Druck auf den empfindlichen Kopf- und Halsbereich des Kindes minimiert. Wer die Funktion des Airbags nicht ausschalten kann, sollte den Nachwuchs unbedingt auf der Rückbank positionieren.

 

Gruppe I: Für Kinder zwischen 9 Monaten und 4 Jahren und bis 18kg. Diese Kindersitze haben oft Hosenträgergurte oder den sogenannten Fünf-Punkt-Gurt, also eigene Gurtsysteme, für mehr Bewegungsfreiheit – schließlich wird in diesem Alter noch gern etwas gezappelt.

 

Gruppe II/III: Für Kinder zwischen 4 und 12 Jahren und bis 36kg. Wenn das Kind schon aufrecht im Sitz sitzen kann, reicht bis zum Erreichen der Körpergröße von 1,50m eine Sitzerhöhung; Experten raten aber unbedingt dazu, auch Rückenstützen und seitliche Polster zu verwenden, ansonsten ist der Nachwuchs bei einem seitlichen Aufprall nicht ausreichend geschützt.

 

Gruppe 0/0+ 0 - 18 Monate bis 10 kg Babyschale
Gruppe I 1 - 4 Jahre 9 - 18 kg Kindersitz
Gruppe II / III 4 - 12 Jahre 15 - 36 kg Sitzerhöhung

 

Iso-was? Über die verschiedenen Befestigungsarten

Die gängigste Befestigungsmethode ist heutzutage das sogenannte Isofix-System, das über kleine Ösen direkt am Autositz befestigt wird und nicht mehr auf den Sitzgurt angewiesen ist – dieser wird nämlich sehr oft falsch angebracht, ob zu fest oder zu locker, und leistet somit nicht immer die volle Sicherheit. Beim Kauf eines Sitzes mit Isofix-System muss man jedoch darauf achten, dass das Auto mit dem jeweiligen Sitz kompatibel ist – gerade wer sein Kind öfter in verschiedenen Autos, etwa bei den Großeltern oder Freunden, mitfahren lässt, muss das vorher abklären.

Extra-Kniff: Der Sitz mit Sicherheitsampel

 

Neure Isofix-Modelle blinken oder geben Töne von sich, wenn der Sitz nicht richtig im Auto angebracht ist – damit wird am Ende die volle Sicherheit gewährleistet.

Die richtige Richtung

Hinter dem Namen Reboarder versteckt sich die Bezeichnung für eine Babyschale, in der Kinder rückwärtsgewandt liegen. Da Babys und Kleinkinder den Großteil ihres Gewichts im sensiblen Kopf- und Genickbereich tragen, wird ein Transport in einer gegen die Fahrtrichtung angebrachten Babyschale nicht nur empfohlen, sondern auch gesetzlich vorgeschrieben: Laut der EU-Norm R129 müssen Kinder die ersten 15 Monate entgegen der Fahrtrichtung im Auto fahren.

 

Experten raten aber dazu, den Nachwuchs mindestens 2 Jahre rückwärtsgewandt zu transportieren, denn der Schutz gegen die bei einem Frontalzusammenstoß wirkenden massiven Beschleunigungskräfte ist damit sehr viel höher: Statt sich auf Kopf und Nacken zu ballen, verteilt sich die Aufprallenergie in einem Reboarder auf den ganzen Rücken, während die Sitzschale wie ein Schutzschild Kopf und Hals stützt. Damit kann das Verletzungsrisiko erheblich minimiert werden.

Was muss ich noch beachten?

Das A und O beim Kindersitz ist unbestreitbar die Sicherheit: Am wichtigsten ist also, darauf zu achten, dass die Größe stimmt, der Sitz zum Auto passt und anschließend richtig angebracht wird. Beim Finetuning kann man aber auch darauf schauen, wie es sich zum Beispiel mit der Reinigung des Sitzes verhält: Gerade bei Babys und Kleinkindern sollte man immer auf Spucke- oder sonstige Flecken gefasst sein, abnehmbare und waschbare Bezüge sind deshalb ein großes Plus bei Kindersitzen.

 

Und nicht zuletzt ist eine Frage, die viele Eltern beschäftigt: Sind teurere Sitze automatisch die besseren? Die gute Nachricht ist: Nein. Der ADAC testet jährlich Kindersitze und weiß: Wichtig ist vor allem, dass der Sitz mit dem Auto kompatibel ist und korrekt montiert wird. Übrigens: Laut ADAC-Test ist der sicherste Platz im Auto der mittlere Sitz der Rückbank.

 

Nachgefragt: Hat ein Kindersitz eigentlich ein Haltbarkeitsdatum?

 

So seltsam es klingt: Ja. Waren es früher noch alle 6 Jahre, wird heutzutage dazu geraten, den Kindersitz je nach Material nach 4-12 Jahren auszutauschen; meist gibt der Hersteller darüber direkt Auskunft, etwa durch Sticker auf dem Sitz. Hatte man einen Unfall, sollte man, selbst wenn niemand verletzt wurde oder zu dem Zeitpunkt gar kein Kind im Auto saß, den Kindersitz unbedingt ersetzen: Die Gefahr besteht, dass sich selbst durch einen kleineren Aufprall Mikrorisse im Inneren gebildet haben und der Sitz nicht mehr die volle Sicherheit gewährleistet. Man kann einen Kindersitz also leider nicht grenzenlos durch Geschwister oder befreundete Familien reichen – auch wenn man ihn noch so gewissenhaft pflegt.

Der sichere Weg zum Kindersitz

Es ist fast ein bisschen unheimlich, es sich vorzustellen: Aber noch vor 50 Jahren fuhren Babys und Kinder nahezu ungesichert im Auto mit; in einer Tragetasche auf dem Sitz oder gar herumturnend auf der Rückbank. Hermann Wetters Tochter lag in einer gepolsterten Obstkiste, als er mit seiner Familie im Jahr 1965 von Wien nach Ulm fuhr. Die Mutter war damals schon höchst besorgt, ein Jahr später erfand ihr Gatte und Leiter der Firma Britax Römer dann mit „Lufki“ den ersten Kindersitz – und dieses Modell, das zunächst noch an eine Luftmatratze erinnerte, sollte den Anstoß geben für eine ganze Reihe an Entwicklungen für mehr Sicherheit auf den Straßen.

 

Nicht zuletzt dank Britax Römer ist ein Kindersitz heutzutage nicht mehr nur trickreiche Erfindung, sondern aus dem Auto nicht mehr wegzudenken: Seit 1993 ist die Benutzung eines Kindersitzes in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben – für Kinder bis zum Alter von 12 Jahren und einer Größe von 1,50m.   

Schon gewusst?

 

Wer ohne Kindersitz fährt, muss mit einer Strafe rechnen; allerdings droht lediglich ein Bußgeld, nicht aber Strafpunkte in Flensburg. Viele Experten sind sich deshalb einig, dass die Strafe weit höher sein müsste, um absolute Sicherheit für die Kinder zu gewährleisten. Denn trotz Kindersitzpflicht nehmen viele das Thema im Gegensatz zur Gurtpflicht immer noch auf die leichte Schulter – obwohl Statistiken immer wieder zeigen, dass Kindersitze in kritischen Situationen Lebensretter sind: Während es beispielsweise im Jahr 1978 noch 1449 Todesfälle von Kindern im Straßenverkehr gab, waren es 2014 nur noch 71.

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